DIE ONKOLOGIE

St. Marien-Hospital Hamm gem. GmbH

Dr. Dr. Heinz Albert Dürk
Eine Mitarbeiterin im Labor, Abteilung Hämatologie und internistische Onkologie, St. Marien-Hospital Hamm

(Dr. Dr. Heinz Albert Dürk, Hämatologie und internistische Onkologie)

Chemotherapien und - künftig immer wichtiger - die zielgerichteten Therapien mit Antikörpern und sogenannten „kleinen Molekülen“ haben in der Behandlung des Brustkrebses einen hohen Stellenwert. Ziel einer solchen Therapie ist  

  • in frühen Stadien der Krebserkrankung nach einer Operation möglichst alle im Körper vorhandene Krebszellen zu zerstören, um das Rückfallrisiko soweit möglich zu reduzieren
  • in fortgeschrittenen Stadien die Krebszellen zu zerstören oder zu schädigen.

Da Brustkrebszellen in der Regel eine schnellere Vermehrungsrate als normale Zellen haben, sind sie gegenüber der Chemotherapie empfindlich. Nicht jede Form von Brustkrebs kann und muss durch eine Chemotherapie behandelt werden. Jede Patientin muss individuell beraten werden und jede Patientin braucht eine speziell auf sie ausgerichtete und sorgfältig ausgewählte Therapie. Hierbei ist neben der Tumorausbreitung der Rezeptorstatus der Krebszelle entscheidend: 

  • Hormontherapien werden immer dann im Behandlungskonzept erwogen, wenn die Brustkrebszelle Hormonrezeptoren ausbildet.
  • Die Antikörpertherapie mit Herceptin (Wirkstoffname Trastuzumab) oder dem zielgerichteten Medikament (Lapatinib) ist ebenfalls nur dann wirksam, wenn der Rezeptor auf der Krebszelle nachgewiesen wird. 

In einigen Fällen wird die Chemotherapie vor der Operation verabreicht. Besondere Bedeutung erlangt dieses Verfahren in den Fällen, in denen eine brusterhaltende Operation nicht möglich ist (z.B. zu großer Tumor oder entzündliche Tumore). Zusätzlich besteht die Möglichkeit zu sehen und zu messen, wie die Behandlung anspricht, also wie sich ein Tumor unter der Therapie verändert. 

Wenn die Chemotherapie nach einer Erst- oder Zweitoperation vorgenommen wird und keine Organmetastasen (also Tumorabsiedlungen in anderen Organen) vorhanden sind, spricht man von einer adjuvanten Therapie.  

Auch in den Fällen, in denen bereits Tumorabsiedlungen (Metastasen) nachgewiesen wurden, ist in der Regel eine Hormon- und/oder eine Chemotherapie erforderlich (Palliative Therapie). Eine solche Behandlung kann die Lebenszeit verlängern und sehr gut Symptome unterdrücken (z.B. Schmerzen, Luftnot oder Hautmanifestationen).  

Sofern bestimmte Rezeptoren vorhanden sind, kann der Antikörper HerceptinÒ oder das zielgerichtete Medikament TyverbÒ in der Kombination mit Zytostatika eingesetzt werden.  

Seit kurzem steht ein weiterer Antikörper zur Hemmung der Gefäßneubildung (AvastinÒ Bevacizumab) zur Verfügung. Auch dieser wird mit einer Chemotherapie kombiniert.  

Bei allen Therapien gilt als Grundprinzip eine gute Lebensqualität der Patienten sicherzustellen.

Onkologische Gemeinschaftspraxis

Albert Grote-Metke,Dr. Britta Bechtel,Dr. Heinz Weischer
(v. l.) Albert Grote-Metke, Dr. Britta Bechtel, Dr. Heinz Weischer

(Dr. med. Heinz Weischer | Dr. med. Britta Bechtel | Albert Grote-Metke)

Chemotherapie und Antikörpertherapie sind wichtige Bestandteile in der Therapie des frühen und des fortgeschrittenen Brustkrebses. Unter einer adjuvanten Chemotherapie versteht man eine Chemotherapie nach Tumorentfernung mit dem Ziel einer Risikoverminderung für das Wiederauftreten der Erkrankung. Unter einer palliativen Chemotherapie wird dagegen eine Therapie aufgefasst, die das Ziel hat, durch Krankheitsverminderung ein möglichst langes und gutes Leben mit der Erkrankung zu erreichen. Mit einer neoadjuvanten Chemotherapie ist eine Tumorverkleinerung vor einer geplanten Operation gemeint.

Alle Therapieformen sind Bestandteile einer Gesamttherapiestrategie, die in der Regel eine zusätzliche Operation, eine Strahlentherapie, eine antihormonelle und eine Antikörpertherapie beinhaltet. Die Durchführung einer adjuvanten, neoadjuvanten oder auch palliativen Chemotherapie und Antikörpertherapie ist wesentliche Aufgabe der Praxis für Hämatologie und Onkologie. Diese Therapien werden hier nach gemeinsamer Besprechung der Gesamttherapiestrategie in der Tumorkonferenz ambulant durchgeführt. Die adjuvanten und neoadjuvanten Therapien werden überwiegend in den Räumen der St. Barbara-Klinik durchgeführt.

Palliative Therapien werden sowohl in eigenen Praxisräumen im St. Marien-Hospital als auch direkt in der St. Barbara-Klinik durchgeführt. Hierzu gehört die regelmäßige Kontrolle der Diagnostik der Therapiewirkung und der evtl. auftretenden Komplikationen. Integraler Bestandteil der Arbeit ist die Teilnahme an klinischen Studien in Kooperation mit der gynäkologischen Abteilung der St. Barbara-Klinik zur Therapieoptimierung und zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragen im Rahmen der neoadjuvanten und adjuvanten Chemotherapie.

Neben Chemotherapie und Antikörpertherapie ist die antihormonelle Therapie ein fester Bestandteil der Systemtherapie des Brustkrebses. Diese Therapie wird in enger Kooperation mit niedergelassenen gynäkologischen Kollegen durch die onkologische Gemeinschaftspraxis mitgestaltet, eingeleitet sowie rezeptiert.

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